Geschichte und Politik

Die historisch-politische Bildung am Abendgymnasium

 

I.            Allgemeines

Das alt bekannte und jedem vertraute ‚Zahlen-und-Fakten-Auswendiglernen’ in den Fächern Geschichte und Politik hat an unserer Schule ausgedient. Diese ‚alten Zöpfe’ sind längst in der ‚Mottenkiste’ verstaubter Methoden verschwunden und ein moderner Unterricht hat sich etabliert: Es geht um

Vergangenheitsdeutung Gegenwartsverständnis Zukunftsperspektive

und Bildung. Es ist wichtig, dass die Studierenden in einem problemorientierten und interpretatorisch offenen sowie multiperspektivisch angelegten Unterricht historische Zusammenhänge erkennen und sie ermutigt werden, sich kritisch mit unterschiedlichen Aspekten der Gegenwart und Vergangenheit auseinander zu setzen. Die Studierenden besitzen ein spezifisches Potenzial gesellschaftspolitischer Einblicke: Sie sind berufs- und arbeitserfahrene Erwachsene, die sowohl kooperative als auch hierarchische Strukturen in Wirtschaft und Familie kennen gelernt haben. Somit sind ihnen Konflikte und Lösungsstrategien vertraut. Sie haben häufig die ‚Trias’ von Familie, Arbeit und Schule zu bewältigen, was ein effektives Zeitmanagement und eine hohe Motivation erfordert.

Und hier liegen die besonderen Stärken der Studierenden:

Sie haben das ausgeprägte Bedürfnis gesetzte Ziele im Unterricht zu überprüfen, nach Möglichkeit historisch-politische Inhalte auf ihre Lebenssituation und ihren Erfahrungshorizont und somit auf ihre Biografie zu beziehen sowie ihr Lernen mitzugestalten. Ein besonderes Anliegen sind die Leitprobleme von z. B. ‚Gleichheit und Ungleichheit’, ‚Herrschaft und Freiheit’, ‚Krieg und Frieden’, ‚Wirtschafts- und Umweltgeschichte’ sowie ‚Geschlechter- und Kulturgeschichte’. Die Studierenden wollen und sollen die Fächer Geschichte und Politik als aktiven Prozess der Sinnbildung über Zeiterfahrung erleben und ihr Geschichtsbewusstsein reflektierend überprüfen und erweitern.

In diesem Sinne gilt für Vorkurs, Einführungs- und Qualifikationsphase, dass die Studierenden

sich die Kompetenz des historischen Fragens aneignen

vom Sachurteil zum Werturteil gelangen

Kompetenz zur lebenspraktischen Orientierung durch Geschichte und Politik erlangen

Hierbei berücksichtigt der Geschichtsunterricht unterschiedliche Formen historischer Untersuchung auf der Grundlage einer perspektivisch-ideologiekritischen Analyse:

die genetisch-chronologische Untersuchung

der Längsschnitt

der Querschnitt

die Einzelfalluntersuchung

die Strukturanalyse

die Biographie

der Vergleich

Im Weiteren sollen alle Studierenden eine Vielzahl von Kommunikationsformen erforschen, die es ihnen ermöglichen, sich innerhalb der Lerngruppe kompetent und kritisch mit unterschiedlichen Themen auseinander zu setzen:

Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit

Referate nach eigenständiger Wahl

Rollenspiel – Hearing – Debatte – Streitgespräch

Szenische Interpretation

Hierzu wird die nötige Methodenkompetenz grundlegend vermittelt:

Informationsbeschaffung – z. B. Schul-, Stadt- und Universitätsbibliothek und im Internet

Erarbeitung und Präsentation von Arbeitsergebnissen

Lernen lernen – Lernorganisation und kognitive Verarbeitung der Inhalte, z. b. Referats- und Prüfungstechniken, sowie Lernen mit allen Sinnen (s. auch: Anhang)

 

An außerunterrichtlichen Angeboten kann Folgendes wahrgenommen werden:

Themenabende mit schulischen und außerschulischen Referenten zu historisch-politischen Schwerpunkten (z. B. am Sophie-Scholl-Gedenktag)

Museumsbesuche, Unterricht im Museum, historische Exkursionen

Besuche von Vorträgen, Vorlesungen und Seminaren an der Universität Osnabrück

 

II.        Inhalte (Themen) und methodisch-didaktische Schwerpunkte im Vorkurs sowie in den Einführungs- und Qualifikationsphasen im Fach Geschichte

Vorab ist zu bedenken, dass für einen Teil der Studierenden die Kontinuität schulischen Lernens für längere Zeit unterbrochen war. Darüber hinaus kommen viele mit einem Haupt- oder Realschulabschluss an das Abendgymnasium - dementsprechend heterogen und bruchstückhaft ist die Vorbildung, da Geschichte in diesen Schulformen nicht als eigenständiges Fach, sondern überwiegend in Kombination mit Sozial- und Erdkunde unterrichtet wird. Studierende berichten, dass weder kritische Analysen von Quellen erlernt worden seien, noch ein problemorientierter und multiperspektivischer Umgang mit den Themen stattgefunden habe. Der Unterricht beschränkte sich überwiegend auf das Abfragen von reinem Daten- und Faktenwissen. Ähnliches berichten Studierende mit Migrationshintergrund, die die überwiegende Zeit ihrer Schullaufbahn in den damaligen Heimatländern absolvierten. Hierzu gesellen sich die Probleme anderer inhaltlicher Schwerpunktsetzungen (z. B. russische oder türkische Geschichte) und unterschiedliche Auffassungen (historische Identität) zu geschichtlichen Inhalten. Als Konsequenz daraus ergibt sich, dass die Studierenden an die Grundlagen eines modernen Unterrichts neu herangeführt werden und das Basiswissen, das für das Zentralabitur unabdingbar ist, grundlegend erarbeitet werden muss. Darüber hinaus leistet das Fach einen Beitrag zu einer Kultur der wertgebundenen Toleranz in einer pluralen Gesellschaft, zur Erhaltung und Ausgestaltung der pluralistischen und demokratischen Rechts- und Gesellschaftsordnung und zur Herausbildung europäischer Identität.

VORKURS

Die Themen und Methoden orientieren sich grundlegend

an den inhaltlichen Vorgaben in den RRL für die Klasse 10 an Gymnasien

an den jeweils aufzuarbeitenden Defiziten

an der Vorentlastung für die Themen im Abitur

an dem Einüben einer mündlich und schriftlich fachlich-adäquaten Ausdrucksweise (s. Synergie mit dem Fach Deutsch)

Folgende Themenschwerpunkte sind im o.g. Zusammenhang möglich (Beispiele):

Geschichte – wofür benötige ich dieses Fach?

historisch-politische Grundbegriffe

Deutschland, Europa und die Welt im 20. Jahrhundert

Folgende Methoden werden eingeübt und der kompetente Umgang damit erworben (Beispiele):

Unterscheidung unterschiedlicher Quellen und Gattungen, z. B. autobiographische Zeugnisse, Bilder, Fotos und Plakate, Denkmäler

Erschließung von Quellen und Anwendung dementsprechender Operatoren (s. Liste) mit Schwerpunkt in den Anforderungsbereichen I und II, z. B. Zusammenfassen von Texten und Erläuterung einer Quelle vor dem historischen Hintergrund

Finden von Informationen, z. B. in Lexika, Fachliteratur sowie Umgang mit dem Internet

Arbeiten mit Informationsmitteln, z.B. mit hist. Karten, Schaubilder

Lernen lernen (s. Anhang)

EINFÜHRUNGSPHASE

Die Themen und Methoden orientieren sich grundlegend

an den Vorgaben für die Oberstufe aus den RRL (‚Krisen und Umbrüche’ und/oder Sachzwänge oder Handlungschancen?), den EPA und Schwerpunkten zum Abitur

den jeweils aufzuarbeitenden Defiziten

an der Vorbereitung zur Erarbeitung der Schwerpunkthemen im Abitur

an dem Einüben einer mündlich und schriftlich fachlich-adäquaten Ausdrucksweise (s. Synergie mit dem Fach Deutsch)

Folgende Themenschwerpunkte sind im o.g. Zusammenhang möglich (Beispiele):

Antike: Von der römischen Republik zum Kaiserreich

Mittelalter: Entwicklung kirchlicher und weltlicher Machtstrukturen

Entstehung Europas / Wirtschaft in der europäischen Union

Industrialisierung und soziale Frage

Weimarer Republik und NS-Staat

Deutschland und Europa nach 1945

Folgende Methoden (s.auch Vorkurs) werden im o.g. Zusammenhang eingeübt und Kompetenzen erworben (Beispiele):

Unterscheidung und Bearbeitung unterschiedlicher Quellen und Gattungen:

schriftliche Quellen (z. B. Urkunden, Testamente, Protokolle, Tagebücher, Briefe, Akten, Zeitungen, Dichtung), Bildquellen (z. B. Gemälde, Zeichnungen, Karikaturen, Plakate, Tonfilme, Wochenschauen), Tonquellen (z. B. Radioübertragungen, Lieder, Interviews, Hörspiele) und Sachquellen (z. B. Gebäude, Denkmäler, Arbeitsgeräte, Waffen, Schmuck)

Werkzeuge der HistorikerInnen zur Erforschung und Bearbeitung von Material:

Archäologie, Paläografie, Diplomatik, Archivkunde, Heraldik, Sphragistik, Philologie, Chronologie, Numismatik, Metrologie, Genealogie, Demografie, Ikonografie, Geografie

Erschließung von Quellen und den dementsprechenden Anwendungen von Operatoren (s. Liste) mit den Anforderungsbereichen I, II und III

Finden und Bearbeiten von Informationen (s. auch Vorkurs)

Lernen lernen (s. Anhang)

QUALIFIKATIONSPHASE

Die Themen und Methoden orientieren sich an den Vorgaben der RRL, EPA und den Schwerpunktsetzungen zum Abitur (s. Anhang).

Die Methoden und Kompetenzen, die im Vorkurs und in der Einführungshase (s.o.) eingeübt worden sind, werden aufgegriffen, vertieft und ausgeschärft. Die ersten drei Semester der Qualifikationsphase werden durch die Vorgaben zum Zentralabitur bestimmt und differenzieren sich hinsichtlich der Leistungen der Kurse auf grundlegendem und erhöhtem Anforderungsniveau. Das vierte Semester wird auf der Grundlage eines eigenständigen Themas ggf. die Schwerpunkte der ersten drei Semester aufgreifen und weiter vertiefen.

 

III.            Leistungsüberprüfungen und -bewertungen

 

Kurs

schriftliche Leistungen

mündliche Leistungen

Vorkurs (1./2. Halbjahr)

jeweils eine 45-90’ Klausur (40%)

60%

Einführungsphase – 1. Halbj.

am Morgen

 

am Abend

 

Einführungsphase – 2. Halbj.

am Morgen

am Abend

 

eine Klausur – 90’ (40%)

 

eine Klausur – 90’ (40%)

 

 

zwei Klausuren – à 90’ (50%)

eine Klausur – 90’ (40%)

 

60%

 

60%

 

 

50%

60%

Qualifikationsphase – 12.1

g A:

P4

P5

e A

Qualifikationsphase - 12.2

g A:

P4

P5

e A

Qualifikationsphase – 13.1

g A:

P4

P5

e A

Qualifikationsphase – 13.2

g A:

P4

P5

e A

 

eine Klausur – 135’ (40%)

eine Klausur – 90’ (40%)

zwei Klausuren – 135’ (50%)

zwei Klausuren – 135’ (50%)

 

 

zwei Klausuren – 90’ (50%)

zwei Klausuren – 180’ (50%)

eine Klausur – 135’ u.

 

eine Klausur – 220’ + 20’ (unter Abiturbed./zwei

Vorschl.) = 50%

 zwei Klausuren – 135’ (50%)

 

 

 

 

eine Klausur – 180’ u.

eine Klausur – 300’ + 20’ (unter Abiturbed./zwei Vorschl.) = 50%

eine Klausur – 135’ (50%)

eine Klausur – 135’ (50%)

eine Klausur – 180’ (50%)

 

60%

60%

50%

50%

 

 

50%

50%

50%

50%

50%

50%

50%